Berlin.de Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
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Wie kann es leiser werden?

Noch immer sind 300.000 Bewohnerinnen und Bewohner Berlins in der Nacht durch Straßenlärm besonders stark betroffen. Im Kampf gegen diesen Lärm gibt es unterschiedliche Lösungen: Je nach Lärmquelle, baulichen Besonderheiten vor Ort und Zahl der belasteten Personen können verschiedene Maßnahmen wirksam Abhilfe schaffen.

Eine Übersicht von Maßnahmen finden Sie hier:

Lärm an der Quelle bekämpfen: Verkehr leiser machen

Im Straßenverkehr entsteht der meiste Lärm durch den Fahrzeugmotor und den Kontakt zwischen Fahrzeug und Untergrund. An diesen Quellen kann man wirkungsvoll ansetzen, um den Lärm zu reduzieren.

  • Maßnahme: Fahrbahn sanieren

    Beton- und Pflasterbeläge erhöhen den Lärmpegel um ein bis sechs Dezibel. Fahrbahnerneuerungen können den Lärm beträchtlich mindern – sie sind allerdings auch kostenintensiv und aufwändig.

  • Maßnahme: Geschwindigkeiten für Autos reduzieren und Tempo 30-Abschnitte
    Verringert sich die zulässige Höchstgeschwindigkeit, sinkt auch die Lärmbelastung. Eine kostengünstige und wirksame Maßnahme ist das vielerorts bereits angeordnete Tempo 30, vor allem nachts (22 - 6 Uhr).
  • Maßnahme: Dialogdisplays
    Wenn sich alle an vorgeschriebene Geschwindigkeiten halten, fließt der Verkehr besser. Dadurch sinkt der Lärmpegel deutlich. Sogenannte Dialogdisplays fördern dies, indem Sie Autofahrer auf die eigene Fahrgeschwindigkeit hinweisen.

Stadt gestalten und leise Verkehrsarten fördern

Die Gestaltung des Straßenraums hat einen großen Einfluss darauf, wie Anwohnerinnen und Anwohner den Verkehr wahrnehmen: Veränderungen wie die Verengung von Fahrbahnen oder das Einrichten von Lieferzonen können dazu beitragen, den Verkehrsfluss zu verstetigen, das Geschwindigkeitsniveau zu senken, die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger ebenso wie für Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhöhen, dabei den Lärm zu mindern und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

  • KFZ-Spuren reduzieren oder verengen
    In Straßen, in denen der motorisierte Verkehr abgenommen hat, kann man oft auf eine Fahrspur verzichten oder diese verengen. Der damit gewonnene Platz kann z. B. für Fahrradstreifen, Parkplätze oder Bussonderstreifen genutzt werden. Damit wird der Verkehr von der Bebauung abgerückt und es wird hier leiser. Zudem wird die optische Breite des Straßenraums verringert, was das Geschwindigkeitsniveau dämpfen kann.
  • Fußwege erweitern und verbessern (Aufheben des Gehwegparkens)
    Das Aufheben des Gehwegparkens ist eine kostengünstige Maßnahme, um die Verkehrsbedingungen für Fußgängerinnen und Fußgänger zu verbessern. Wird das Parken in den Fahrbereich verlagert, vergrößert dies den Abstand zwischen Fahrbahn und Bebauung, so dass der Lärm weniger stark wahrgenommen wird.
  • Mittelinsel/-streifen auf der Fahrbahn anlegen
    Mittelinseln können helfen die Geschwindigkeit zu verringern und den Verkehrsfluss zu verbessern. Daneben erhöhen sie die Sicherheit der Fußgängerinnen und Fußgänger: Es wird leichter, eine Straße zu überqueren. Mittelstreifen eignen sich vor allem in Straßen, in denen es auf beiden Seiten viele Geschäfte gibt. Die Nachteile: Das Anlegen ist relativ teuer. Der Abstand zwischen Fahrbahn und Bebauung verkürzt sich nicht.
  • Vorstrecken des Gehwegs
    Hierbei werden Park- oder Baumstreifen unterbrochen oder der Bordstein an Straßeneinmündungen vorgezogen. Dies macht es Fußgängerinnen und Fußgängern leichter, eine Straße zu überqueren. Zudem lassen sich so breite Fahrbahnen punktuell verringern, was die Geschwindigkeit senken kann und damit Lärm reduziert.

  • Vorfahrt für Busse (Bussonderstreifen und Kaphaltestellen)
    Halten Busse im Straßenraum, sinkt für den Kfz-Verkehr die Attraktivität, die Strecke zur Durchfahrt zu nutzen. Kaphaltestellen können gewünschte Verkehrsverlagerungen unterstützen. Zugleich beschleunigen sie den Busverkehr. Das wiederum erhöht die Attraktivität dieses Verkehrsmittels. Das Einrichten und Verbessern von Bussonderstreifen verstetigt den Fluss des Busverkehrs. Dadurch verursacht er weniger Lärm. Zugleich vergrößern die Streifen den Abstand der Bebauung vom lauteren Kfz-Verkehr. Allerdings gibt es in Berlin derzeit kaum noch Möglichkeiten, neue Bussonderspuren einzuziehen.
  • Pflanzen von Bäumen
    Straßenbäume reduzieren den Verkehrslärm zwar nicht, aber sie beeinflussen die Wahrnehmung von Verkehrslärm. Menschen empfinden ihn in begrünten Straßen als weniger störend.

  • Verkehrsfluss organisieren (Verlagerung, Verkehrsfluss verbessern, Lieferzonen um Parken in zweiter Reihe zu vermeiden, Parkraumbewirtschaftung)
    Lenkt man Verkehre auf bereits hoch belastete Straßen um, sinkt der Lärm auf der entlasteten Strecke wesentlich mehr, als er auf der stark befahrenen zunimmt. Neben der Menge der Fahrzeuge spielt auch Verkehrsfluss eine bedeutende Rolle. Wie oft angefahren und gebremst wird, beeinflusst den Lärmpegel natürlich auch. Vor allem das Halten in zweiter Reihe ist hier eine häufige Ursache, was durch das Einrichten von Lieferzonen verbessert werden kann. Abgestimmte Ampelschaltungen können den stetigen Verkehrsfluss bei niedriger Geschwindigkeit regulieren. Parkraumbewirtschaftung ist eine Maßnahme zur Reduzierung von Pendlerverkehr und trägt zu einer Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel bei.

Lärmschutz

An hoch belasteten Straßenabschnitten können zum Schutz der Betroffenen spezielle Schutzmaßnahmen direkt am Wohngebäude oder im Umfeld der Quelle den Lärm spürbar verringern. Durch die Maßnahmen wird ein ruhigeres und damit gesundheitsverträgliches Wohnen auch an sehr lauten Straßen ermöglicht. Sie sind in solchen Fällen oftmals die einzige Möglichkeit der Abhilfe.

  • Lärmschutzwände oder -wälle
    Eine häufig angewandte Möglichkeit des aktiven Schallschutzes ist der Bau von Lärmschutzwänden. Sie dämmen den Lärm, so dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Lärmschutzwände sind in den engen Straßenräumen einer Stadt allerdings aus städtebaulichen Gründen oftmals ungeeignet. In der Regel ist ein Einsatz bei neugeplanten Straßen oder Schienenwegen möglich. Er kann auch in nicht so stark bebauten Bereichen sinnvoll sein.
  • Schallschutzfenster (in Gebäuden)
    An lauten Verkehrswegen, an denen aus verkehrlichen Gründen keine anderen Maßnahmen möglich sind, bleibt der Einbau von Schallschutzfenstern, um zumindest den Wohnraum vor Lärm zu schützen. Derzeit ist in Berlin eine Richtlinie zur Förderung solcher Maßnahmen in Erarbeitung (über den Fortgang wird im Newsletter berichtet, zu dem Sie sich hier anmelden können).

Schienenverkehr leiser machen

  • Um den Lärm von Straßenbahn und U-Bahn zu senken, sind grundsätzlich Maßnahmen am Fahrweg und bei der Fahrzeugtechnik möglich. Hierzu gehören beispielsweise das Pflegen und Befeuchten bzw. Schmieren der Gleise, das Verwenden elastisch gelagerter Gleise, der Austausch von Großverbundplatten und der Einbau von Rasengleisen bei der Straßenbahn sowie das Anschaffen lärmarmer Fahrzeuge.