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Lärmproblematik Wilhelmstadt (Diskussionsbeitrag von der Lärmwerkstatt Spandau)

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Straßenlärm Tag (bzw. 24h)

Lärmproblematik Wilhelmstadt (Diskussionsbeitrag von der Lärmwerkstatt Spandau)

Dieser Beitrag stellt das Ergebniss eines Diskussionstisches bei der Lärmwerkstatt Spandau dar. Die Diskussion wurde im Nachgang von der Moderation zusammengefasst. Für die Verortung des Beitrags wurde der ungefähre Mittelpunkt des Sanierungsgebietes Wilhelmstadt gewählt. Die umfassende Dokumentation der Lärmwerkstatt Spandau finden Sie hier: https://leises.berlin.de/sites/default/files/downloads/Ergebnisprotokoll...

Zusammenfassung der Diskussion:
An diesem Diskussionstisch ging es um die Lärmproblematik in der Wilhelmstadt – also um verschiedene Lärmprobleme z.B. im Tiefwerderweg, der Pichelsdorfer Straße, der Wilhelmstraße, der Bahnunterführung in der Klosterstraße oder dem Kopfsteinpflaster in der Betckestraße.

Zur Frage „Wie wird es leiser in der Wilhelmstadt?“ haben die Bürgerinnen und Bürger verschiedene Maßnahmen diskutiert, wie z.B. eine andere Streckenführung für Busse, den Tiefwerderweg zu einer Sackgasse oder Einbahnstraße zu machen um den Durchgangsverkehr zu mindern, die Pichelsdorfer Straße zu verengen oder die Tempobegrenzungen im Gebiet besser zu kontrollieren. Als Fazit hielten die Diskussionsteilnehmenden fest, dass Sie ihre Lärmprobleme bei der Lärmwerkstatt zur Sprache bringen konnten und dass sie vor allem über aktiven Lärmschutz (z.B. Minderung des Verkehrs, Verkehrsfluss etc.) und wenig über passiven Lärmschutz (z.B. Schallschutzfenster) diskutiert haben. Inhaltlich schlug die Diskussionsrunde als Fazit vor, den ÖPNV im Gebiet umzuleiten, um den Lärm im Quartier zu mindern. Außerdem hielten die Bürgerinnen und Bürger fest, dass sie derzeit skeptisch sind, ob mit den besprochenen Maßnahmen die verfolgten Ziele der Lärmminderung erreicht werden können.

Liste der benannten Lärmprobleme:

  • Tiefwerderweg Verkehrslärm
  • Unterführung Klosterstraße
  • DB-Unterführung wg. des enormen Halleffekts
  • Südhafen Krananlage
  • Pichelsdorfer Straße wg. Durchgangsverkehr Heerstraße
  • Kopfsteinpflaster vor der Feuerwehzufahrt
  • Fehlende Fahrradparkplätze (z.B. vor Einkaufsläden, Haltestellen)
Eigene Auswahl möglicher Maßnahmen
Fahrbahn sanieren
Geschwindigkeiten für Autos reduzieren und Tempo 30-Abschnitte
Dialogdisplays
KFZ-Spuren reduzieren oder verengen
Verkehrsfluss organisieren (Verlagerung, Verkehrsfluss verbessern, Lieferzonen, Parkraumbewirtschaftung)
Eigener Maßnahmenvorschlag
Unterschiedliche Linienführung bei BVG Bssen (Tag/ Nacht), Straßenbahn aus Potsdam
0 Teilnehmer/innen unterstützen den Vorschlag
0 Teilnehmer/innen sind neutral
0 Teilnehmer/innen lehnen den Vorschlag ab

Erklärung: Die Bewertung diente der Ermittlung einer Top20-Liste, weitere Infos dazu hier.

Rückmeldung der Senatsverwaltung: 

Der Lärmaktionsplan 2008 enthält als Konzeptgebiet eine vertiefte Bearbeitung der Wilhelmstadt. Enthalten sind eine ganze Reihe kon-kreter Vorschläge zu Lärmminderungsmaßnahmen. Einiges davon wurde bereits verwirklich, andere Prozesse benötigen mehr Zeit wie z. B. die Gestaltung der Pichelsdorfer Str. Mehr dazu unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/laerm/laermminderungspla-nu...

Lärmfaktor Öffentlicher Personen-Nahverkehr

Die Förderung der Verkehrträger des Umweltverbundes ist sowohl Ziel des Stadtentwicklungsplans Verkehr als auch der Lärmminderungsplanung. Jedoch sind Busse und Bahnen nicht geräuschlos. Insbesondere der Busverkehr erzeugt stellenweise nicht zu vernachlässigende Lärmstörungen.

Daher bestehen in Berlin auch hohe Anforderungen an die Geräuschemission neuer Busse. Diese gehen um 3 dB(A) über das gesetzlich geforderte Maß hinaus und sind im Nahverkehrsplan des Senats festgeschrieben. Doch gerade im Einzugsbereich von Bushaltestellen, an denen Busse beim Anfahren lokale Belastungsspitzen hervorrufen, sind die Möglichkeiten begrenzt. An die Linienführung der Busse werden viele Ansprüche gestellt: Einzugsbereiche, Erreichbarkeit und Umsteigebeziehungen gehören dazu. So ist eine Verlegung einer Linie aus Gründen der Lärmminderung immer gegen die genannten Aspekte abzuwägen.

Aber auch unabhängig vom Lärmminderungsplan ist der Bezirk tätig: zur Gestaltung der Bahnunterführung am Bahnhof Spandau läuft derzeit ein Planungsprozess, bei dem die Lärmminderung ein Aspekt der Umgebungsaufwertung ist.

Geschwindigkeitsbegrenzungen

Der Tiefwerderweg ist Teil des Straßennetzes, für das der Bezirk zuständig ist. Die Nutzung durch Durchgangsverkehr sollte hier von untergeordneter Bedeutung sein. Es besteht bereits eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. Auch wenn es sich nicht um eine Hauptverkehrsstraße handelt, kann diese Straße von jedem Verkehrsteilnehmer befahren werden. Eine Nutzungseinschränkung durch straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen, wie beispielsweise eine Sperrung, ist ein sehr weitgehender Eingriff. Zu prüfen wären hierbei jedenfalls neben der Verkehrssituation die Auswirkungen auf das umliegende Straßennetz.

Optimierung der Ampelschaltungen

Eine zur Lärmminderung immer auch sinnvolle Verbesserung des Verkehrsflusses kann leider nur begrenzt durch die Optimierung der Ampelschaltungen erreicht werden, denn Ampelschaltungen sind in einem Netz von Hauptverkehrsstraßen ein schwieriges Thema mit vielfältigen Anforderungen. Aus Umweltsicht (sowohl Lärm als auch Luftschadstoffe und CO2-Ausstoß) ist ein stetiger Verkehrsfluss von Vorteil, und das beinhaltet auch möglichst wenig „stehen vor roten Ampeln“. Wir müssen aber auch einsehen, dass bei der Koordinierung von Ampelschaltungen vieles beachtet werden muss, z. B.:

Es sind die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer zu beachten – es müssen eben auch ausreichende Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung stehen, Straßenbahnen und Busse können sich an einigen Straßen im Rahmen der ÖPNV-Beschleunigung bevorzugt in den Verkehrsstrom einordnen.

Oft sind „Grüne Wellen“ einfach nicht möglich, weil eine Reihe von Kreuzungen mit zudem unterschiedlichen Abständen nicht gleichermaßen in beide Richtungen entsprechend koordiniert werden kann; Irgendwo gibt es hier zwangsläufig Haltepunkte.

Es sind durchaus auch Aspekte der Verkehrslenkung und Verkehrssicherheit zu beachten – z. B. die Priorisierung übergeordneter Straßen um Verkehrsströme hier zu bündeln, oder auch verkehrsgefährdende und auch umweltschädliche Fahrweisen nicht indirekt zu fördern. Wenn beispielsweise die nächste Ampel mit hoher Beschleunigung und unter Inkaufnahme von Geschwindigkeitsübertretungen erreichbar ist, wird dies leider in der Praxis auch von einigen Verkehrsteilnehmern so gemacht – das ist aber hinsichtlich Verkehrssicherheit und auch Umweltbelangen sicher nicht gut.

Geschwindigkeitsüberschreitungen

Zu hohe Geschwindigkeiten im Straßenverkehr sind häufig Thema von Lärmbeschwerden und so auch vieler Beiträge auf www.leises.berlin.de. Der Zusammenhang zwischen Fahrgeschwindigkeit und Lärmentwicklung ist eindeutig belegt. Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erhöhen die Störwirkung.

Die Maßnahmen des Aktionsplans 2008, z. B. die entsprechende Gestaltung des Straßenraums sollen dazu beitragen, dass ein angepasstes Geschwindigkeitsniveau mit einem möglichst stetigen Verkehrsfluss erreicht wird.

Damit können aber mutwillige Geschwindigkeitsübertretungen nicht verhindert werden. Sie stellen einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) dar, hier ist die Polizei gefragt. Sie betreibt die stationären Radargeräte und macht auch mobile Kontrollen. Im Fokus steht hier eigentlich die Verkehrssicherheit. Denn schließlich ist bei überhöhten Geschwindigkeiten nicht nur der Lärm ein Problem, sondern auch die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Daher wird die Polizei von uns eingebunden. Sie erhält von uns die Beiträge, die sich mit dem Thema Geschwindigkeitsübertretung befassen, mit der Bitte, sie bei der Priorisierung der Einsatzplanung zu berücksichtigen.

Zusätzlich werden von uns in Zusammenarbeit mit den Bezirken Dialog-Displays eingesetzt, die die Verkehrsteilnehmer zur Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit anhalten. Sie werden – soweit möglich – an Orten aufgestellt, auf die von den Teilnehmern an leises.berlin.de hingewiesen wurde.

Betriebsgeräusche Krananlagen im Hafengebiet

Die Lärmaktionsplanung ist auf den Verkehrslärm ausgerichtet. Daher erfolgt der folgende Hinweis zum Gewerbelärm redaktionell: Bei fortgesetzten Störungen durch die Betriebsgeräusche der Krananlage im Südhafens ist zunächst die Information des Betreibers sinnvoll:

BEHALA - Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH
Westhafenstraße 1
13353 Berlin
Telefon (0)30 / 3 90 95-0
Telefax: (0)30 / 3 90 95-139
E-Mail: info(at)behala.de
Internet: www.behala.de

Ansprechpartner ist auch die Aufsichtsbehörde für den Immissionsschutz:
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abteilung IX
Ralf Siebenbaum – IX C 203 –
Brückenstraße 6
10179 Berlin
Telefon: 90 25-23 87
Telefax: 90 25-29 29
Email: Ralf.Siebenbaum@SenStadtUm.Berlin.de